Titel

Die Idee

Entstanden ist die Idee zum Projekt AlpenMythenSehen bereits im Jahr 2004. Kameramann Mark Blezinger begegnete dem Bildhauer Giuliano Pedretti (1924-2012) erstmals bei Dreharbeiten in der Galerie Kornfeld in Zürich. Im Folgejahr bot ihm sich die Gelegenheit den Bildhauer und seine Welt im Engadin im Auftrag des Romanischen Fernsehen RTR gemeinsam mit Regisseur Rudolph Straub (Giuliano Pedretti – Bildhauer & Raumforscher, 2006) noch besser kennen zu lernen. Die über alle vier Jahreszeiten verteilten Dreharbeiten für das Dokumentarportrait dauerten mehrere Wochen. Dabei zeigte ihnen der „Schatzjäger“ Giuliano Pedretti auch den reichen Fundus des Kulturarchivs Oberengadin und erzählte die faszinierendsten Geschichten dazu. Das ganze Hochtal mit all seinen Mythen und Sagengestalten wurde selbst zur unerschöpflichen Wunderkammer - einer unwiderstehlichen Inspiration für kreative Geister – die Saat ging in den folgenden Jahren langsam aber sicher auf.


Nach dem ersten intensiven Kennenlernen und filmischen Darstellen der geheimnisvollen Engadiner Bergwelt, begann Mark Blezinger als Fotograf bei regelmässigen Aufenthalten die Landschaften, die Leute, Gegenstände und Dokumente in Tausenden von Bildern festzuhalten.


Daraus entstanden immer neue photographische, der Alpenwelt gewidmete Bildkompositionen, die mit anderen Arbeiten bei Ausstellungen in den Gallerien 2art, Samedan 2008 und im Château Papillon des Arts, St. Moritz, 2012 gezeigt wurden.


Im November 2011 kam es zu einem denkwürdigen Treffen: Die Kulturarchivgründer Giuliano Pedretti und Dora Lardelli beschlossen gemeinsam dem Wunsch von Mark Blezinger, das Archiv als photographischen Fundus für seine Suche nach einer neuen Darstellung der Alpenmythologien nutzen zu dürfen, zu entsprechen. Eine erste Serie von Archivaufnahmen entstand. Dann kam es zum plötzlichen, tragischen Unfall von Giuliano Pedretti – der Künstler starb unerwartet im Januar 2012, wenige Monate vor dem 25 jährigen Jubiläum des von ihm gegründeten Kulturarchivs. Eine kreative, lebensbejahende Antwort auf diesen völlig unerwarteten Verlust sollte am Ort seiner Wirkungsstätte entstehen, eine Feier und Fortsetzung seines Schaffensgeistes.


Zusammen mit Dora Lardelli konkretisierte Mark Blezinger das Projekt WUNDERKAMMER ENGADIN AlpenMythenSehen, für dessen erste Ausstellung die Fundaziun de Planta die Chesa Planta als Ausstellungsort in Samedan zur Verfügung stellte.


Der Beititel AlpenMythenSehen bezieht sich nicht nur auf das Engadin, sondern auf das gesamte Alpengebiet. In den verschiedenen Gegenden und Ländern haben das rauhe Dasein in der abgeschiedenen Welt des Hochgebirges mit seinem täglichen Überlebenskampf, den Natur- und Hungerkatastrophen, aber auch die unerhörten Poesie einer äusserst facettenreichen Natur, die durch die Jahrhunderte in der eher armen Landbevölkerung zahlreiche phantastische und auch teuflische Legenden, mit darin immer wiederkehrende Mythengestalten, entstehen lassen.


In der AlpenMythenSehen geht darum, die Emotionen der Leute des Engadins und der Alpen aufzuspüren und zum Ausdruck zu bringen. Inmitten der „ewigen“ Landschaften mit den mächtigen breiten Bergen und Seen und im ständigen Lauf der Jahreszeiten bewahren die Häuser, Dörfer, Burgen und Schlösser die Geschichten und die Geschichte über Jahrhunderte. Die Menschen hingegen, kommen und gehen im schnellen Wechsel der Generationen wie die Tiere und Pflanzen. Dennoch scheinen auch sie, neben ihren Bauten dauernde, unsichtbare Spuren zu hinterlassen: sie vererben Sprachen, Bräuche und emotionsgeladene Geister, mit denen „die Nächsten“ weiterschreiten.

Die Mythen der Alpen

Wer sich in die Geschichten und die Mythen der Alpen vertieft, merkt sehr bald, dass in verschiedensten Regionen viel Gemeinsames festzustellen ist, dass gleichwohl von grosser Vielfalt geprägt ist. Nicht nur die räumlichen, auch die zeitlichen Distanzen scheinen geringer zu werden. Alte Inhalte wirken neu, die Vergangenheit wird für den Betrachter der Ausstellung aktuell, ja, er selbst sieht sich darin involviert und als Mitspieler.


In dem von tausenden von Tälern und Pässen durchlaufenden Alpenraum
gibt es eine beeindruckende Sprachvielfalt. Die Sprache eines bestimmten Ortes ist notwendig, auch wenn sie von noch so wenigen Leuten gesprochen wird, um einen ganz besonderen Inhalt auszudrücken, der die lokale Identität und den spezifischen Charakter der Ortsansässigen hervorhebt. Diesen Reichtum an Idiomen ohne Berührungsängste hervorzuheben gehört zum Konzept.


Der Inhalt der Ausstellung
AlpenMythenSehen wird jeweils der Örtlichkeit angepasst und in diese eingefügt, damit die lokale Kulturgeschichte und Sprache mit den allgemeinen Mythen  - im Gebäude, im Zusammenhang mit den Menschen und den Objekten – erlebbar werden.